Sofatesten und andere unnütze Dinge!

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Das Evangelium nach Google und facebook

Dezember 07, 2011 By: amprekord Category: Testtheorie

Wie ich bei Google mal nach Gott suchte

Ein grüner Monitor, dahinter der cyberspace, unendliche Weiten, hyperlinks nach „virtually anywhere anywhere virtually“ [http://www.youtube.com/watch?v=6gmP4nk0EOE bei 0:37 min]. Ich weiß nicht wann ich erstmals das Licht der digitalen Welt erblickte, abgesehen natürlich davon, dass es nach dem 24.12.1990 (sic! http://info.cern.ch) gewesen sein muss, dass der Schein der Kathodenstrahlröhre mein Gesicht erleuchtete und mir das WorldWideWeb erschien. Seit dieser Erscheinung des Netzes, dieser Epiphanie lugt darin immer wieder die Frage hervor, ob mir hierin auch eine Offenbarung zuteil wurde, die mich Closer to God brachte?

William Gibsons Trilogie Neuromancer – Biochips – Mona Lisa Overdrive, dieser Cyberpunk-Akkord des Cyberspace, ist nach Timothy Learys Worten die „Cyber-theology for the Information Age“. Als die Super-AI am Ende des ersten Bandes ihr „I’m the matrix. […] the sum total of the works, the whole show “ postuliert, antwortet der extrem lässige Hacker-Cowboy Case ihr: „Where’s that get you?“ und „You God?“. Und wird für Leary damit zum Proto-Cyberpunk, zum kreativen Freigeist des digitalen Zeitalters. 27 Jahre nach Erscheinen scheint es sinnvoll, die Frage zu stellen, wie denn diese kybernetische Rede von Gott heute geführt werden müsste.

Suche nach Gott mittels facebook Suche: ErgebnisseAnfang 2010 titelte ein US-amerikanischer Tech-Blog „Facebook Wants to Be Your One True Login“ und drückte damit genau den monopolistischen (-theistischen ) Ansatz aus, der für facebooks Entwicklungsstrategie spätestens seitdem kennzeichnend sein sollte. Erstes Gebot: Es muss alles hier passieren! Du sollst keine anderen Netzwerke haben neben mir , Ursprung und Ziel deines sozialen Lebens sei facebook!

„The Social Network“, die filmische Fiktion des Erfolg von facebook und des Aufstiegs von Marc Zuckerberg, erklärt diesen Erfolg damit, „dass Zuckerberg Facebook nur erfunden hat, weil er im wirklichen Leben unter massiven Soziopathologien leidet.“. Es geht hier nicht um die Erklärung des Erfolgs von facebook mit einem Real-Life-Defizit-Ansatz. Die Manifestation des Sozialen in Form eines Newsfeeds, der beständig nach neuer Nahrung, nach Antworten auf „Was machst du gerade?“ verlangt, bedarf allerdings schon einer gewissen existenziellen Grundierung. Im Heiligtum des Sozialen darf es keine Privatheit geben, alles muss verbunden sein. Die Aufforderung zum Gottesdienst ist fast penetrant präsent: „Personen, die du vielleicht kennst“ – „Füge Sprachen, die du sprichst, hinzu“ – „Teilen“ – „Liken“! Wie Sascha Lobo richtig schreibt: „Es darf ständig alles passieren, außer: nichts.“ und Lobo benennt auch gleich die göttliche Strafe für ungebührliche Privatheit: „Wir müssen uns Sisyphus als jemanden vorstellen, der sein Facebook-Newsfeed vollständig durchlesen will.“ Muss, wäre hier wohl treffender.

Facebook verhüllt vielleicht noch erfolgreich, dass wir einer Zeit leben, in der „die Programmierer weniger, aber rasant wachsender Internetkonzerne die neuen Sonnengötter sind“. Anders Google Inc. Die Kargheit, mit der sich uns die Suchmaschine darbietet, unterstreicht den dahinter liegenden Algorithmus, den technischen Vorgang. Der sich uns dann doch wieder nur offenbart und nicht zeigt, denn das, was da sucht, bleibt unsichtbar in der Google Box, ebenso wie der Algorithmus, die Liturgie der Universal-Realtime-Instant-Suche, die Google uns bietet. Facebooks Evangelium ist der „social graph“, „the global mapping of everybody and how they’re related“, was aber wäre Googles Verkündigung? Nun, in einem gewissen Sinne und, wenn man dem SZ-Magazin glauben will: unendliches Leben oder zumindest, die Verlängerung des Lebens! Sergey Brin, einer der beiden Gründer von Google ist einer der Verkünder. Brins Vision ist eine medizinische Forschung, die datenbasiert vorgeht, die immense humane Datenmengen, also Informationen über Menschen, gesunde, wie kranke, ihre Genome wie auch Angaben zu ihren Lebensumständen in einer Datenbank sammelt und dann durchsucht, um Informationen aus dem random noise zu extrahieren. Die wissenschaftliche Validität ist unbestritten, allein ganz ohne theologischen Glutkern, ohne Glaube daran, dass das Gesuchte zu finden sei ― suchet, so werdet ihr finden ― kann diese neue Wissenschaft sich nicht erfinden. Denn, dass da draußen „exactly what you want“ und „always more information“ zu finden ist, ist eine Negation der Endlichkeit, Unendlichkeit also, eines der Attribute Gottes.

So haben wir es hier also mit den zwei Verkündigungen des digitalen Zeitalters zu tun: facebook und Google. Für die Ungläubigen, die weder dem Evangelium nach Google, noch dem nach facebook folgen wollen, bleibt nur „HTTP 405“, vulgo „Das Ende des Internets“.

(Arne Busse)

P.S.: Dieses Baustein zu einer Testtheorie des Sofatestens wurde ursprünglich auf raumfunk – magazin für fragen der form veröffentlicht.

Hello world!

Dezember 06, 2011 By: amprekord Category: Testtheorie

Ich so: “Ich mach jetzt auch so web zweinull, blogging und so!”

Sie: “Und worüber schreibst Du?”

Ich: “?”